Hausärzte  Horstmar      Dr. Reinhard Stahl   Armin Sarkhosh

 

Flüchtlingsarzt

 

Lokalzeit Münsterland vom 08. Juli 2014

 

WDR Studio Münster

 

 

Dr. Reinhard Stahl betreut Kranke im Auffanglager Schöppingen „Jedes Schicksal hat ein Gesicht“

 

Für Dr. Reinhard Stahl haben die Menschen, die von der Flüchtlingsdramatik betroffen sind, ein Gesicht. So lernt der Allgemeinmediziner viele individuelle Einzelschicksale während seiner Sprechstunden in der Asylbewerberunterkunft in Schöppingen kennen.

 

Zwei mal in der Woche hält Dr. Reinhard Stahl Sprechstunden im Übergangslager in Schöppingen ab. Dort trifft der Allgemeinmediziner aus der Burgmannsstadt oft auf traumatisierte Flüchtlinge, die Asyl in Deutschland suchen. „Diese Menschen brauchen unsere uneingeschränkte Solidarität,“ betont der Grüne Ratsherr.

 

Dr. Reinhard Stahl weiß, was Angst, Trauer, Verzweiflung und Wut bedeuten. In den Gesichtern seiner Patienten kann er diese Gefühle lesen. Die Folgen von Folter, Krieg und anderen Schrecken schlagen sich auch in körperlichen Symptomen nieder, mit denen der Allgemeinmediziner aus Horstmar bei seinen regelmäßigen Sprechstunden im Aufnahmelager in Schöppingen konfrontiert wird. Dort behandelt der 50-jährige Arzt schon seit Jahren die Flüchtlinge aus Kriegsgebieten und krisengeschüttelten Ländern, die Asyl in Deutschland suchen.

 

„Viele der Menschen sind traumatisiert“, weiß der gebürtige Nordhorner aus Erfahrung, der gemeinsam mit Armin Sarkhosh, Facharzt für Innere Medizin, im Haus Eichenwald an der Königstraße in Horstmar praktiziert. Jeden Dienstag- und Donnerstagnachmittag fährt der dreifache Familienvater zum Aufnahmelager nach Schöppingen. In der dortigen Krankenstation hält Dr. Reinhard Stahl Sprechstunden ab.

Gehe es nur um leichte Beschwerden, wie beispielsweise einen Schnupfen oder Husten, kümmerten sich die vor Ort arbeitenden Krankenschwestern um die Patienten. Handele es sich jedoch um schwerere Fälle, käme er zum Einsatz. Weitreichende Diagnostik und Behandlungen seien vor Ort allerdings nicht möglich, denn das gäbe die Ausstattung der kleinen Krankenstation nicht her. So überweise er viele der Erkrankten an Fachärzte und Spezialisten außerhalb der Einrichtung. Um die Verletzungen der Seele kümmern sich Psychologen, die direkt vor Ort im Einsatz sind. Umfangreiche Therapien seien aber erst möglich, wenn die Asylsuchenden in ihre zugewiesenen Orte kämen.

 

„Ich habe hier in Horstmar auch schon mal Menschen wiedergetroffen, die ich in Schöppingen kennengelernt habe“, berichtet der Arzt von bewegenden Begegnungen, die ihn auch dazu antreiben, sich für Flüchtlinge, Migranten und Asylsuchende einzusetzen. So ist er schon seit jungen Jahren Mitglied der Vereine „Pro Asyl“ und der „Internationalen Versöhnungsabende“.

 

Dass ihm das Schicksal anderer Menschen nicht egal ist, zeigt auch sein Engagement für Kinder in Indien. So wurde auf Initiative seiner Familie vor Jahren die Horstmarer Gruppe „Nava Jeevan“ gegründet, die Kinderarbeit bekämpft und gerade ihr viertes Projekt gestartet hat.

 

„Wir dürfen nicht immer nur das Geld sehen, das diese Menschen kosten“, fühlt sich das Mitglied von Bündnis 90/Die Grünen zur humanitären Hilfe verpflichtet. Schließlich sei Deutschland ein reiches Land und auf Dauer auf den Zuzug von gerade jungen Menschen angewiesen. Dass diese aus anderen Kulturen kommen, empfindet er nicht als Last, sondern als eine Bereicherung.

 

Als unerträglich bezeichnet der Allgemeinmediziner es, dass aufgrund der Abschottungspolitik Europas viele Menschen im Mittelmeer ertrinken, weil sie keine sicheren Fluchtkorridore zum Beispiel nach Deutschland hätten. Zudem kritisiert er, dass die Bundesregierung sich weigert, mehr Flüchtlinge aus Syrien aufzunehmen.

 

„Die gesamtgesellschaftliche Aufgabe humanitäre Hilfe zu leisten, steht nicht in Frage. Ich möchte aber nicht unerwähnt lassen, dass die diesbezüglichen finanziellen und personellen Anstrengungen der Stadt Horstmar weit über das Maß dessen hinausgehen, was für eine Größe unserer Kommune erträglich ist“, zitiert Dr. Stahl einen Satz aus der Haushaltsrede von Bürgermeister Robert Wenking während der Einbringung des Etats, über den er sich sehr geärgert hat.

 

„Ich bin da anderer Meinung“, betont Stahl. Schließlich handele es sich um hilfsbedürftige Menschen, die aus einer Notlage geflohen seien und auf die Solidarität von Menschen, denen es besser gehe, angewiesen seien. Hinter jeder Flüchtlingsdramatik ständen individuelle Einzelschicksale, vor denen niemand die Augen verschließen sollte. „Jedes Schicksal hat ein Gesicht“, gibt der Grüne, dessen Vorbild Mahatma Gandhi ist, zu bedenken.

 

Sa., 22.02.2014 Westfälische Nachrichten / Sabine Niestert    Foto: abi

 

 

 

 

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